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Pressemitteilungen

Biogasboom belastet Wasserwirtschaft
23 Aug 2013
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Bad Doberan. Ausufernde Biomasseproduktion und immer mehr Biogasanlagen in Deutschland gefährden das Grundwasser durch Rückstände von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und verteuern die Wasseraufbereitung. Wasserversorger und Kläranlagenbetreiber sehen in einigen Jahren die sichere und preisgünstige Versorgung mit Trinkwasser und die Gewässer durch die Biogasproduktion gefährdet. Sie fordern, endlich gegenzusteuern.

Am 22. August hatten die Kooperationsgemeinschaft Wasser und Abwasser Mecklenburg-Vorpommern (KOWA MV) und die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) e.V. zu einem Pressegespräch beim Zweckverband Kühlung eingeladen. Beide Verbände vertreten die sich ausschließlich in öffentlicher Eigentümerschaft befindlichen Zweckverbände der Wasserwirtschaft, Wasserversorger oder Abwasserbetriebe in MV und in Deutschland. „Die vom LUNG vor drei Wochen bekanntgegebenen Daten aus dem Nitratbericht 2012 und die Auswirkungen des Biogasbooms beschäftigen uns schon länger“ erklärte Christa Hecht, die Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft. Sie präsentierte zum Biogasboom Zahlen zu den Biogasanlagen, die der Fachverband Biogas e.V. herausgegeben hatte. Danach steht Mecklenburg-Vorpommern mit 325 Anlagen in 2011 deutschlandweit an sechster Stelle nach Bayern (2372 Anlagen) und Niedersachsen (1300 Anlagen) NRW und anderen Bundesländern. Gab es 1992 in ganz Deutschland 192 Biogasanlagen, ist die Zahl bis 2011 auf insgesamt 7215 gestiegen, für 2013 werden rund 7900 prognostiziert.

Wer in Mecklenburg-Vorpommern über Land fährt, kann das Ausmaß dieses Booms sehen. „Unsinnig und der Energiewende zuwider sind Anlagen, in denen nur Energie erzeugt wird und die dabei entstehende Wärme verpufft,“ erklärte Eckhard Bomball, Verbandsvorsteher des Zweckverbands Grevesmühlen. Bomball ist mit seinem Verband ein Vorreiter in der erneuerbarer Energie. Eine Kläranlage seines Zweckverbandes produziert mit effizienter Technik seit Jahren mehr Energie aus dem Abwasser als die Anlage zur Eigenstromnutzung verbraucht und versorgt nun sogar Haushalte in Grevesmühlen mit Strom aus Klärgas.

Die Wasserwirtschaftler stört nicht nur die geringere Förderung der Energieproduktion aus Klärgas als aus Biogas. Für Klärgas werden zurzeit bei Anlagen bis 500 kW rund 7 Cent bei der Einspeisung ins Netz vergütet, für Biogas beträgt allein die Grundvergütung für Anlagen in dieser Größenordnung über 12 Cent plus Einsatzstoffvergütung je nach Brennstoff.  „Das muss bei der nächsten  Novellierung des EEG endlich geändert werden“, forderten die Vertreter der Wasserwirtschaft. Problematisch sind für sie besonders die Folgen der Biomasse- und Biogasproduktion in den Gewässern.

Die Biogasanlagen brauchen „Futter“ in Form von Biomasse wie Mais und Raps. Deshalb ist der Anbau von Mais und Raps auch in MV in den letzten Jahren übermäßig gestiegen. Damit die Biomasse ordentlich wächst, wird verstärkt gedüngt und stärker als bei der Produktion von Nahrungsmitteln werden wieder Pflanzenschutzmittel eingesetzt. In MV sind die Auswirkungen bereits in den fünf Nitratmessstellen im Grundwasser zu verfolgen. In dreien davon wurde 2010 der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten. 83 % des Trinkwassers in Mecklenburg-Vorpommern wird aus Grundwasser gewonnen „Wenn das Grundwasser mit Nitrat belastet ist, müssen die Wasserversorger das geförderte Grundwasser aufwändig mit Membranfiltern zur Trinkwassernutzung aufbereiten. Das wirkt sich auf die Kosten aus,“ erklärte der Geschäftsführer des Zweckverbands Grimmen Eckhart Zobel, der auch stellvertretender Vorsitzender der KOW MV ist.    

Nitrat und Phosphor aus Düngemitteln und Pflanzenschutzmittel, die von den Pflanzen nicht aufgenommen  wurden, gelangen entweder direkt durch Auswaschung von den Feldern in die Gewässer oder auf einem jahrelangen Weg durch die Bodenschichten ins Grundwasser. Jahrelange  Überschüsse von Düngemitteln können vom Boden nicht mehr vollständig absorbiert werden und belasten dann das Grundwasser. Dieser Prozess kann viele Jahre dauern, ist dann jedoch nicht mehr umkehrbar. Sorge bereiten den Wasserversorgern auch die Gärreste aus der Biogasproduktion, denn die werden mit den darin zwangsläufig ebenfalls enthaltenen Rückständen wieder auf die Felder ausgebracht und erhöhen die Belastung.

Die Wasserwirtschaftler fordern deshalb, die Errichtung von Biogasanlagen zu stoppen und Biogasanlagen in Wasserschutzgebieten ganz zu verbieten. Für die Düngung und die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln zum Beispiel bei Mais und Raps sollten Höchstgrenzen festgelegt werden und an den Gewässerrändern ausreichend breite Randstreifen gänzlich davon freigehalten werden. Verwiesen wird auf Vorschriften in Niedersachsen, das in dieser Hinsicht Vorreiter und in 2013 tätig geworden ist.

„Wir denken in Generationen und handeln entsprechend ganzheitlich,“ erklärte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Kühlung Klaus Rhode. Er ist auch Vorsitzender der KOWA MV und kämpft für deren siebzehn Mitglieder für den Gewässerschutz, dem sich die Wasserwirtschaft ebenso verpflichtet fühlt. Rhode hält es für unverzichtbar, künftigen Generationen unbelastetes Grundwasser und saubere Gewässer zu sichern. Deshalb müssten immer auch die langfristigen Auswirkungen mit bedacht werden.

 

Zuletzt geändert am: 09 Sep 2013 um 9:32 am

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