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Maude Barlow Interview mit Big Jump Challenge
 

Interview mit dem Big-Jump- Challenge-Team-DE  (► www.bigjumpchallenge.net)

 

 

 

 

 

 

 
Foto: Wolfgang Schmidt


Maude Barlow hat unermüdlich für Wasserfragen in der ganzen Welt gekämpft. Soeben ist ihr neues Buch „Blaue Zukunft“ erschienen. Darin beschreibt sie, wie wir Wasser als ein Menschenrecht für alle schützen können, die Konflikte in Bezug auf Wasser beenden können, und wie wir sorgsamer mit Wasser und unseren Ökosystemen umgehen können, so dass wir diese wertvolle Ressource bewahren und mit kommenden Generationen teilen können. Maude Barlow war federführend beteiligt an der Bewegung für Wasser und Sanitärversorgung als ein grundlegendes Menschenrecht. Dieses Recht wurde von den Vereinten Nationen im Juli 2010 anerkannt. Aber der Zugang zu diesem Recht ist weiterhin Hunderten von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt verwehrt, ebenso fehlt die Umsetzung des Gewässerschutzes in vielen Teilen der Welt. Begleiten Sie uns, wie wir mit Maude Barlow über ihre Ideen und die Zukunft unserer Beziehung zum Wasser sprechen.

BJC: Blaue Zukunft schließt die Blaue Trilogie - nach „Blauer Pakt“ im Jahr 2007 und „Blaues Gold“ im Jahr 2002. Was wird mit „Blaue Zukunft“ der Diskussion hinzugefügt?

MB: Ich habe „Blaue Zukunft“ nach der UN-Anerkennung des Menschenrechts auf Wasser und Sanitärversorgung geschrieben und so enthält es eine sehr spezifische und wichtige Geschichte darüber, wie dieses Recht anerkannt wurde und was es bedeutet. Es ist auch mehr hin zu Lösungen orientiert, die jedoch auf den Erfahrungen, die ich in meinen anderen Büchern beschrieben habe, beruhen. Es zielt auf eine neue Wasserethik, basierend auf klaren Grundsätzen. Ich arbeite darin die ökologischen und menschlichen Krisen in der Welt in Bezug auf Wasser auf und liefere der Öffentlichkeit, den Politikern und Studenten Informationen, die sie in diesen Fragen beachten müssen.

BJC: Mit der Sparpolitik in vielen Ländern in der EU, vor allem in Südeuropa, wird zunehmender Druck hin zu Privatisierung erzeugt. Wasser wird als kommerzielles Gut, mit dem Profit gemacht werden kann verkauft, und nicht als Menschenrecht angesehen. Was brauchen wir aktuell, um das Prinzip des Wassers als Menschenrecht in der EU zu schützen?

MB: Die Sparpolitik in Europa wird durch Politiker forciert, die mit einer ideologisch geprägten Zielsetzung, wichtige öffentliche Dienstleistungen wie Wasser und Abwasser zu privatisieren, handeln. Wenn die Wasserprivatisierung weiter gestattet wird, wird der Preis von Wasser in die Höhe schnellen und das Abstellen von Wasseranschlüssen wird eskalieren. Das Abstellen von Wasseranschlüssen geschieht bereits in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien, aber die Zahlen werden dramatisch steigen, wenn Privatunternehmen das Recht erhalten, Wasserdienstleistungen auf einer Profit-Basis zu verkaufen.  Die Verweigerung von Wasserdienstleistungen ist eine direkte Verletzung des Menschenrechts auf Wasser und Sanitärversorgung. Um dieses Menschenrecht zu verwirklichen ist deshalb der Kampf gegen Wasserprivatisierung unerlässlich.

BJC: Viele der Argumente, die Sie vorbringen, haben mit dem Schutz und dem Zurückholen der Kontrolle der Ressource Wasser in die öffentliche Hand zu tun. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU hat bereits ehrgeizige Ziele für die Wasser-nutzung und den Naturschutz, aber die Einzugsgebiete von Süßwasserreser-voiren werden weiterhin unerhört beeinträchtigt. Was muss für die Ziele des Gewässerschutzes geschehen?

MB: Meine Vision ist, dass Regierungs- und Aufsichtsbehörden Schutzmaß-nahmen für Wassereinzugsgebiete voranbringen, um Gemeinden als Sachwalter für das Wasser zu gewinnen und verantwortlich zu machen. Wir müssen ein System der Wassernutzung etablieren, in dem die Benutzer der Ressourcen damit mit Bedacht umgehen. Wir müssen sie davon überzeugen, dass sie die Wasserressourcen nicht zerstören dürfen und Vertrauen dafür schaffen. Meiner Meinung nach enthält die Wasserrahmenrichtlinie der EU einige wunderbare Qualitäten und Visionen, braucht aber die direkte Beteiligung der Öffentlichkeit, um wirksamer zu sein.

BJC: Warum brauchen wir gesunde Flüsse und Seen für das Menschenrecht auf Wasser?

MB: Viel zu lange haben sich die Kämpfe für Wasser in zwei Gruppen gespalten. In diejenigen, die mit der Wissenschaft und der Umweltbewegung die Aspekte von Wasser und Gesundheit hervorheben, und diejenigen, die mit dem Kampf für das Menschenrecht auf Wasser beschäftigt sind. Wenn wir diese Bewegungen nicht verknüpfen, sowohl in der Analyse als auch in der Aktion, werden wir weder den Zugang zu Wasser für alle erreichen noch genügend sauberes Wasser für alle haben. Wir können Gerechtigkeit für alle in der Welt nur realisieren, wenn wir auch die Verschmutzung von Gewässern und die übermäßige Ausbeutung von Wasserquellen verhindern. Die Hälfte der Flüsse in China ist seit 1990 verschwunden! Wie können wir Wassergerechtigkeit für das chinesische Volk sicherstellen, wenn die Grundlage für ihre Wasserversorgung verschwindet?

BJC: Wo wird nach Ihrem Eindruck das dritte Prinzip in Ihrem Buch (Wasser hat Rechte) heute beachtet - was sind einige gute, moderne Beispiele in Europa oder Beispiele aus der Vergangenheit?

MB: In vielen Teilen der Welt finden wir seit alters her Beispiele für die Wassernutzung, Wasserunterhaltung und Nutzung der Selbstreinigungskräfte des Wassers, um Wassereinzugsgebiete zu schützen und zu erhalten. Ein Beispiel, das ich liebe, ist das Werk von Michal Kravcik, der in der Slowakei ein nationales Projekt der Wasserbettrenaturierung durchgeführt hat. Daran waren 190 Gemeinden und 8.000 Arbeiter beteiligt und das hat zu fabelhaften Ergebnissen geführt. Dieses "Blue Alternative" Projekt hat dazu beigetragen, dass sich weite Teile von degradierten Flächen und Gewässern erholen konnten.

BJC: Haben Sie jemals an einem Big Jump Event teilgenommen haben, oder würden Sie das tun?

MB: Ich habe bisher noch nicht an einer Big Jump Veranstaltung teilgenommen, da das in Kanada noch nicht in großem Stil veranstaltet wurde. Schande über uns - Kälte ist keine Entschuldigung! Ja, ich würde gerne teilnehmen und ich werde Verbündete in meinem Land suchen, um Interesse zu schaffen!

BJC: Was ist das kreativste Projekt für Süßwasser an dem Sie beteiligt waren?

MB: Ich denke, das aufregendste Projekt war vor fünf Jahren der Stopp einer großen Deponie auf einem Grundwasserleiter  - dem Aliston Aquifer an der Georgian Bay in Ontario. Tausende Menschen kamen dort zusammen, um für diese Grundwasserressource nahe an den Großen Seen zu kämpfen. Das Wasser war tatsächlich in einem deutschen Labor als das reinste überhaupt getestet worden! Ureinwohner, Bauern, Studenten, Umweltschützer, die ganze Gemeinde kam zusammen, um diese Grundwasserleiter zu retten. Und wir waren erfolgreich. Das Land ist seitdem als Grad -A prime - Ackerland eingestuft und es wird darauf wieder angebaut. Die Gemeinde hat einen Null-Abfall-Plan realisiert, denn es reicht nicht, nur auf Deponien zu verzichten, wir müssen sie auch als veraltet soweit wie möglich vermeiden.


►  Original in Englisch


Interview with Maude Barlow
23.09.2014 11:09 von Big-Jump-Team EN


Maude Barlow: Water Activist, Alternative Nobel Prize Winner, Author
Meet Maude Barlow

Maude Barlow has worked tirelessly for water issues across the globe. She has just released a new book this month, Blue Future, which outlines how we can protect water as a human right for everyone, end the conflicts we currently face regarding water, and treat water and our ecosystems with more dignity so that we can continue to share this precious resource with coming generations. Barlow spearheaded the movement to declare water and sanitation a basic human right, which was recognized by the UN in July 2010 - however access to this right continues to elude hundreds of millions of people around the world, and implementation of water protection in many parts of the world is lacking. Join us as we talk to Barlow about her ideas, and the future of our relationship to water.

BJC: Blue Future completes the Blue Trilogy, following Blue Covenant in 2007 and Blue Gold in 2002. How does Blue Future fit in and add to the discussion?

MB: Blue Future is written post the UN recognition of the human right to water and sanitation and so has a very specific and important story to tell about how we got these rights recognised and what they mean. It is also more solution based than either of my other books and calls for a new water ethic based on very clear principles. It is also an update on the ecological and human crises the world is facing in terms of water and arms the public, policy makers and students with the information they need to work on the issue.

BJC: With austerity policies taking hold in many countries in the EU, especially in southern Europe, there's increasing privatisation pressure driving marketing water as a for-profit commodity, rather than seeing it as a human right. What do we need to be on the watch for, in order to protect the principle of water as a human right in the EU?

MB: The austerity agenda in Europe is being used by those with an ideological agenda to privatise vital public services such as water and wastewater. If water privatisation is allowed to proceed, the price of water will skyrocket and water cut offs will escalate. (Cut-offs are already happening in Greece, Portugal, Italy and Spain but the numbers will increase dramatically if private companies are allowed to run water services on a for-profit basis.) Denial of basic water services is a direct violation of the human right to water and sanitation, so fighting water privatisation is essential if the human right to water is to be real.

BJC: Many of the arguments you pose have to do with putting the provisioning and control of water as a resource (back) into public hands. The EU's Water Framework Directive already has ambitious goals for water use and conservation, yet freshwater environments continue to be egregiously compromised. What needs to happen for the objectives of water conservation and protection to be met?

MB: My vision is to make government authorities and agencies responsible for carrying out conservation and watershed protection measures to work with communities who are the stewards of the water. We must set up a system of water use whereby those wanting access to public water must convince the "owners" of this public trust (the people) that they will use it wisely and without destroying it. In my opinion, the EU's Water Framework has some wonderful qualities and visions but needs the direct involvement of the public to be more effective.

BJC: Why do we need healthy rivers and lakes for the human right to water?

MB: For far too long, those concerned with water fell into two distinct groups: those concerned with the science and environmental aspects of water health; and those concerned with development and the human right to water. If we don't put these movements together in both analysis and action, we will have neither just access to water or enough clean water for all. We can have all the justice in the world but if we have polluted or displaced available water sources, we will never be able to make it real. Half the rivers in China have disappeared since 1990! How can we ensure water justice for the Chinese people when their water supplies are disappearing?

BJC: How do you feel Principle 3 in your book (water has rights too) is embodied today - what are some good modern examples in Europe or examples from the past

MB: In many parts of the world, we are looking to ancient ways of water harvesting, water retention and natural water purification to protect and restore watersheds. One example I love is the work of Michal Kravcik of Slovakia, who led a project of national waterbed restoration in his country that involved 190 municipalities and 8,000 workers with fabulous results. This "Blue alternative" project has helped recover vast tracts of degraded land and water.

BJC: Have you ever participated in a Big Jump event, or would you?

MB: I have not participated in a Big Jump event as the project has not taken off in Canada in a big way (shame on us - cold is no excuse!) Yes I would happily take part and will look for allies here in my country to create interest!

BJC: What's the most creative freshwater awareness-raising project you've been involved with?

MB: I think the most exciting project was stopping a major dump site on an aquifer - the Aliston Aquifer on Georgian Bay in Ontario - five years ago. Thousands of people came together to fight for this groundwater source so close to the Great Lakes that had actually been tested in a German lab as having the purest water anywhere! First Nations, farmers, students, environmentalists, the whole community came together to save this aquifer and we were successful. The land has since been designated as Grade-A prime farm land, and has been returned to production. The community went on to implement a zero waste plan realising that it is not enough to oppose landfills; we must also make them as obsolete as possible.

 

Das Buch "Blaue Zukunft" von Maude Barlow ist soeben im Kunstmann Verlag erschienen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch "Die Wasser-Allmende" von Maude Barlow ist bei thinkOya erhätlich. 

Fotoquelle Banner: Timo_R/pixelio.de







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